Hund im Winter scheren – ja oder nein?
„Im Winter schneidet man den Hund nicht, sonst friert er.“ Diesen Satz höre ich im Salon jeden Herbst. Er klingt logisch – und ist trotzdem nur zur Hälfte richtig. Denn bei vielen kleinen Rassen ist im Winter nicht das kurze Fell das Problem, sondern das zu lange: Es saugt sich bei Regen und Matsch voll, verfilzt in wenigen Wochen und wärmt dann gar nicht mehr.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, zu welchem Felltyp Ihr Hund gehört, was im Winter wirklich gekürzt werden sollte – und woran Sie erkennen, dass es Zeit für einen Termin ist.
Welcher Felltyp darf im Winter geschoren werden?
Die wichtigste Frage ist nicht „Winter oder Sommer?“, sondern: Welches Fell hat mein Hund? Diese Übersicht hilft Ihnen bei der Einordnung:
| Felltyp | Typische Rassen | Im Winter scheren? | Was stattdessen hilft |
|---|---|---|---|
| Ständig wachsendes Fell (ohne Fellwechsel) | Pudel, Malteser, Bichon Frisé, Yorkshire Terrier, Shih Tzu, Havaneser, Goldendoodle & andere Pudelmixe | Ja – schneiden, aber mit Winterlänge | Schnitt alle 4–8 Wochen, Körper 1–2 cm länger lassen, regelmäßig bürsten |
| Doppelfell mit dichter Unterwolle | Spitz/Zwergspitz, Husky, Samojede, Golden Retriever, Schäferhund, Berner Sennenhund | Nein | Lose Unterwolle professionell entfernen, Pfoten & Hygienebereich trimmen |
| Rauhaar | Zwergschnauzer, West Highland Terrier, Rauhaardackel, Jack Russell (rauhaarig) | Nein – trimmen statt scheren | Abgestorbenes Haar trimmen, damit das wetterfeste Deckhaar nachwächst |
| Kurzhaar | Labrador, Beagle, Mops, Französische Bulldogge, Dalmatiner | Nein – nicht nötig | Bürsten, Krallen kürzen, bei Kälte ggf. Mantel |
Sie sind unsicher, wohin Ihr Hund gehört – etwa bei einem Mischling? Kein Problem: Beim ersten Termin schaue ich mir das Fell gemeinsam mit Ihnen an und sage Ihnen ehrlich, was es braucht. Zu unseren Leistungen & Preisen →
Warum langes Fell im Winter nicht automatisch wärmt
Fell wärmt, weil zwischen den Haaren Luft eingeschlossen ist. Das funktioniert aber nur, solange das Fell trocken, locker und sauber ist. Genau das ist im Winter bei uns rund um Wien selten der Fall: Schnee liegt nur noch an wenigen Tagen, dafür gibt es monatelang Nieselregen, Matsch, Splitt und Streusalz.
- Nasses Fell kühlt aus: Langes, dichtes Fell nimmt Wasser auf wie ein Schwamm. Bis es trocken ist, liegt es klamm auf der Haut – oft stundenlang.
- Filz isoliert nicht: Verfilzte Stellen sind dicht gepresst, es ist keine wärmende Luft mehr darin. Darunter bleibt die Haut feucht – ideal für Juckreiz, Ekzeme und Geruch.
- Heizungsluft trocknet die Haut aus: Drinnen ist es warm und trocken. Unter dichtem, ungepflegtem Fell wird Schuppenbildung oft erst spät bemerkt.
Ein gepflegtes Fell in der richtigen Länge trocknet dagegen schnell, bleibt locker und hält dadurch tatsächlich warm. Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Beitrag Hundesalon im Herbst: Warum Scheren bei feuchtem Wetter wichtig ist.
Hunde mit Unterwolle: Im Winter bitte nicht scheren
Spitz, Husky, Samojede, Golden Retriever, Schäferhund oder Berner Sennenhund tragen ein Doppelfell: kurze, dichte Unterwolle, darüber festeres Deckhaar. Diese Kombination ist eine natürliche Wärmedämmung – im Winter genauso wie im Sommer.
Wird so ein Fell abrasiert, passiert Folgendes:
- Der Hund verliert seine Isolierung gegen Kälte und Nässe.
- Das Fell wächst oft ungleichmäßig, stumpf oder fleckig nach.
- Vor allem bei Spitzen und nordischen Rassen kann es passieren, dass das Fell an manchen Stellen monatelang oder gar nicht mehr nachwächst. Fachleute sprechen von Post-Clipping-Alopezie.
Was diese Hunde im Winter stattdessen brauchen: Nach dem Fellwechsel im Herbst steckt oft noch alte, abgestorbene Unterwolle im Fell. Die entfernen wir im Salon gründlich – mit Bad, Kraftföhn und passenden Kämmen. Das Winterfell kann sich danach locker aufbauen und wärmt besser. Gekürzt werden nur Pfoten, Po-Bereich und ggf. die Konturen.
Pudel, Malteser & Co.: Schneiden ja – aber mit Winterlänge
Ganz anders sieht es bei Hunden aus, deren Fell ständig weiterwächst und kaum ausfällt. Dazu gehören der Toy Pudel, der Malteser, der Bichon Frisé, der Yorkshire Terrier und Pudelmixe wie der Goldendoodle.
Bei diesen Rassen wäre es ein Fehler, im Oktober die Schere wegzulegen und im März wiederzukommen. In fünf Monaten wächst das Fell so weit, dass es sich an Achseln, Ohren, Halsband und Beinen fast zwangsläufig verfilzt – besonders, wenn der Hund einen Mantel oder ein Geschirr trägt, das am Fell reibt.
Meine Empfehlung für den Winter:
- Körper etwas länger lassen: Etwa 1–2 cm mehr als im Sommer, also z. B. 3–4 cm statt einer kurzen Sommerschur. Das wärmt und lässt sich zu Hause noch gut durchbürsten.
- Rhythmus beibehalten: Auch im Winter alle 4–8 Wochen in den Salon. Je länger das Fell bleibt, desto wichtiger sind regelmäßige Termine.
- Zu Hause bürsten: 2–3 Mal pro Woche bis auf die Haut durchkämmen, vor allem hinter den Ohren, unter den Achseln und dort, wo Mantel oder Geschirr aufliegen.
- Immer komplett trocknen: Nach Regen- oder Matschrunden gut abtrocknen. Halbfeuchtes Fell verfilzt am schnellsten. Weitere Tipps: Wie oft sollte man einen Hund waschen?
🐾 Winterschnitt rechtzeitig planen
Ein Termin vor den ersten Frosttagen ist ideal: Das Fell hat bis zum Kälteeinbruch die richtige Winterlänge, und Filz hat gar nicht erst die Chance zu entstehen. Im Nono Hundesalon in Mannswörth bei Schwechat ist Ihr Hund dabei der einzige Gast im Salon – ohne Wartezeit zwischen anderen Hunden.
Rauhaar und Kurzhaar: Trimmen statt scheren
Rauhaarige Hunde (Schnauzer, Westie, Terrier)
Rauhaar ist von Natur aus wetterfest. Wird es geschoren statt getrimmt, wächst es oft weich und wollig nach und verliert genau diese Schutzwirkung. Im Winter gilt deshalb: abgestorbenes Haar trimmen, Pfoten und Bart pflegen, aber den Körper nicht abrasieren.
Kurzhaarige Hunde (Labrador, Beagle, Mops)
Hier gibt es nichts zu scheren. Regelmäßiges Bürsten, Krallen kürzen und Pfotenpflege reichen völlig. Sehr kleine, schlanke, junge oder ältere Kurzhaar-Hunde frieren allerdings schneller: Zittern, eine eingezogene Rute oder ein hochgezogenes Pfötchen beim Spaziergang sind deutliche Zeichen. Dann hilft ein gut sitzender Hundemantel.
Pfoten, Bauch & Augen: Diese Stellen gehören auch im Winter gekürzt
Egal welcher Felltyp – drei Bereiche sollten Sie im Winter immer kurz halten:
- Pfoten und Zwischenzehenhaare: Lange Haare zwischen den Ballen sammeln Schnee, Splitt und Streusalz. Es bilden sich harte Eisklumpen, die beim Laufen drücken und die Haut wund reiben. Kurze Pfotenhaare geben außerdem besseren Halt auf glattem Boden. Alles zur Pflege lesen Sie in meinem Ratgeber Pfotenpflege im Herbst & Winter.
- Bauch und Intimbereich: Hier spritzt beim Gassigehen am meisten Matsch hoch. Ein kurzer Hygieneschnitt hält den Hund sauberer und verhindert Entzündungen.
- Augen und Gesicht: Haare, die in die Augen hängen, reizen – im Winter kommt kalter Wind dazu. Ein freier Blick ist auch für die Sicherheit beim Spaziergang in der Dämmerung wichtig. Wie Sie Ihren Hund außerdem gut durch den Jahreswechsel bringen, lesen Sie in Silvester mit Hund.
Wenn der Hund schon verfilzt ist: Ehrlich gesagt
Manchmal kommt ein Hund im Jänner zu mir, der seit dem Sommer nicht mehr geschnitten wurde – mit der besten Absicht: „Er soll doch im Winter nicht frieren.“ Leider ist das Fell dann oft so dicht verfilzt, dass sich die Knoten nicht mehr schmerzfrei auskämmen lassen.
Leichte Knoten können wir oft noch schonend lösen. Wenn der Filz aber großflächig bis auf die Haut reicht, ist das Abrasieren aus Tierschutzgründen die einzige faire Lösung – auch mitten im Winter. Stundenlanges Ziepen und Reißen wäre für den Hund viel belastender. Er bekommt danach für einige Wochen einen Mantel, und das Fell wächst gesund nach.
Die gute Nachricht: Mit regelmäßigen Terminen und etwas Bürsten zu Hause lässt sich genau das vermeiden. Was Sie bei ersten Knoten selbst tun können, erkläre ich Schritt für Schritt im Beitrag Hund verfilzt – was tun?
Selbst-Check: Braucht Ihr Hund jetzt einen Termin?
Kreuzen Sie in Gedanken an, was auf Ihren Hund zutrifft:
- Der letzte Schnitt ist länger als 6–8 Wochen her.
- Hinter den Ohren, unter den Achseln oder am Halsband fühlen Sie kleine Knoten.
- Das Fell braucht nach dem Spaziergang mehr als eine Stunde zum Trocknen.
- Zwischen den Ballen hängen lange Haare oder kleine Klumpen.
- Ihr Hund riecht trotz Baden schnell wieder „nach nassem Hund“.
- Beim Bürsten bleibt viel lose Unterwolle in der Bürste – und es wird nicht weniger.
- Die Haare hängen in die Augen.
Zwei oder mehr Punkte treffen zu? Dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Pflegetermin – bevor aus kleinen Knoten Filzplatten werden.
So läuft die Winterpflege im Nono Hundesalon ab
Bei uns gibt es keine Fließbandarbeit. Ihr Hund bekommt einen Einzeltermin, und wir nehmen uns je nach Größe und Fell 1,5 bis 3 Stunden Zeit. Im Komplettservice sind enthalten:
- Waschen mit hundegerechtem Shampoo und unser Thalasso-Spa-Bad – wohltuend für Haut, die unter Heizungsluft leidet
- Gründliches Föhnen bis auf die Haut, damit Ihr Hund den Salon trocken und warm verlässt
- Unterwolle entfernen und Schnitt bzw. Trimmen passend zum Felltyp – mit Winterlänge
- Pfoten-, Augen- und Ohrenpflege sowie Krallenschneiden
Die Preise richten sich nach der Größe Ihres Hundes und beginnen bei 55 € pro Besuch (Pudel ab 80 €). Den genauen Preis besprechen wir bei der Terminvereinbarung. Alle Details finden Sie auf der Seite Leistungen & Preise. Was genau den Preis beeinflusst, erkläre ich im Beitrag Was kostet der Hundefriseur?
Sie finden uns in der Mannswörtherstraße 95/1 in 2320 Mannswörth – gut erreichbar aus Schwechat, Rannersdorf, Himberg, Gramatneusiedl und dem Süden und Osten Wiens.
Häufige Fragen zum Scheren im Winter
Darf man einen Hund im Winter scheren?
Das hängt vom Felltyp ab. Hunde mit dichter Unterwolle wie Spitz, Husky, Golden Retriever oder Schäferhund sollten nicht geschoren werden – hier wird nur die lose Unterwolle entfernt. Hunde mit ständig wachsendem Fell wie Pudel, Malteser, Bichon, Yorkshire Terrier oder Doodles müssen dagegen auch im Winter regelmäßig geschnitten werden, nur etwas länger als im Sommer.
Friert mein Hund, wenn er im Winter geschnitten wird?
Ein fachgerecht geschnittener Hund mit Winterlänge friert in der Regel nicht. Problematisch ist eher zu langes oder verfilztes Fell: Es saugt sich mit Nässe voll, trocknet stundenlang nicht und kühlt den Hund aus. Sehr kleine, alte oder kurzhaarige Hunde können bei Kälte zusätzlich einen Mantel brauchen.
Wie lang sollte das Fell im Winter sein?
Bei Pudel, Malteser, Bichon und Doodles empfehlen wir im Winter, am Körper etwa ein bis zwei Zentimeter mehr Länge stehen zu lassen als im Sommer – zum Beispiel 3 bis 4 cm statt einer kurzen Sommerschur. Pfoten, Bauch und Intimbereich bleiben trotzdem kurz, damit sich weder Schnee noch Streusalz festsetzen.
Wie oft sollte mein Hund im Winter zum Hundefriseur?
Hunde mit ständig wachsendem Fell brauchen auch im Winter alle 4 bis 8 Wochen einen Termin, weil längeres Fell schneller verfilzt. Hunde mit Unterwolle kommen meist mit einem Termin zum Fellwechsel im Herbst und im Frühjahr aus.
Was passiert, wenn man einen Hund mit Unterwolle schert?
Die Unterwolle isoliert gegen Kälte und Nässe. Wird sie abrasiert, verliert der Hund diesen Schutz. Bei manchen Rassen, vor allem Spitzen und nordischen Hunden, wächst das Fell danach ungleichmäßig, stumpf oder an manchen Stellen gar nicht mehr nach (Post-Clipping-Alopezie).
Mein Hund ist verfilzt – muss er jetzt im Winter abrasiert werden?
Leichte Knoten lassen sich oft noch schonend auskämmen. Großflächiger Filz, der bis auf die Haut reicht, muss aus Tierschutzgründen abrasiert werden, auch im Winter. Danach braucht der Hund für einige Wochen einen Mantel. Am besten beugen Sie vor: mit regelmäßigem Bürsten und Salonterminen alle 4 bis 8 Wochen.